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- 4.5.2011: Mieterverein Potsdam: Gefahr der Diktatur zunächst gebannt
- 13.1.2009: Infobrief für Vereine und Chronisten
- 5.5.2008: Potsdam - über 13 Brücken erreichbar
- 27.4.2008: Aufruhr in "Klein Holland"
- 15.4.2008: Das Neueste vom Immobilienmarkt?
- 11.4.2008: "Linke Barbarei" bei Stadtschlossabbruch
- 9.4.2008: Potsdams Ersterwähnung
- 9.4.2008: Gartenstadt zwischen Tradition und Moderne
- 9.4.2008: Eine Stadt zum Leben
Archiv der Kategorie Pressekritik
Aufruhr in “Klein Holland”
27.4.2008 by Dr. Volker Punzel.
Eine neu gegründete Interessengemeinschaft Holländisches Viertel e.V. “will Handel, Gewerbe und Gastronomie im historischen Karree unterstützen und dabei auch die dort ansässige Kultur stärken”. Werbung und Veränderungen seien dringend nötig, so der Vereinsvorsitzende Marten Klinger. Einige Händler stünden mit dem Rücken an der Wand, weil der Umsatz nicht ausreiche. Nun könnte jene Händler bemitleiden, die geschäftliche Probleme haben. Doch das ist nicht erforderlich. Und auch die Notwendigkeit eines neuen Vereins wird nicht nur von Außenstehenden angezweifelt, sondern auch von im Holländischen Viertel ansässigen Gewerbetreibenden.
Es gibt in Potsdam kein zweites Geschäftszentrum, in dem so exklusive Rahmenbedingungen für den Handel herrschen, wie im Holländischen Viertel. Schon seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre können die Geschäftsleute sieben Tage in der Woche ihre Produkte an die Frau oder den Mann bringen. Als “touristischer Bedarf”, der auch an den Wochenenden und zu den Feiertagen verkauft werden darf, zählen hier ebenfalls Bekleidung oder Einrichtungsgegenstände für die Wohnung. Einmal im Jahr, zum Tulpenfest, wird das Holländische Viertel weiträumig abgesperrt und nur gegen Zahlung einer Eintrittsgebühr ist der Wochenendeinkauf gestattet. Zweimal jährlich, im Frühling und im Herbst, findet in der Mittelstraße ein Töpfermarkt statt. Und im Dezember jeden Jahres reitet Sinterklaas auf seinem weißen Schimmel zur Holländischen Weihnacht in Potsdam ein.
Darüber hinaus wird jede Touristengruppe, die Potsdam besucht, auch durch das Holländische Viertel geführt. Und das einzigartige Beispiel niederländischer Baukunst des 18. Jahrhunderts außerhalb der Niederlande wird in jedem Reiseführer und in den Medien deutschlandweit und international beschrieben. Und nun fordert ein Herr Marten Klinger, beruflich als Anzeigenberater für die Potsdamer Neuesten Nachrichten tätig, mehr Werbung.
Wenn ein Gewerbetreibender geschäftlich nicht erfolgreich ist und er schon gute Rahmenbedingungen hat, um seinem Geschäft nachzugehen, liegt es doch wohl an ihm. Wenn es einem Geschäftsmann auch nach Jahren Geschäftstätigkeit nicht gelungen ist, sich einen stabilen Kundenstamm aufzubauen, so liegt es doch wohl in erster Linie an ihm. Und wem es nicht gelingt, sich von der in großen Scharen durch das Holländische Viertel laufenden Kundschaft, sich seinen Teil an Kunden zu sichern, der sollte sein Geschäftsgebaren überprüfen und nicht die Zeit mit dem Singen von Klageliedern vergeuden.
Nun hat sich aber eine Interessengemeinschaft gegründet und da sie sich nun schon einen Vorstand gegeben und auch das Vereinsregister mit dem Eintragen des Vereins belästigt hat, sollte sie nun etwas tun. Doch die Vorstandsmitglieder wissen vermutlich nicht, worin ihr Tun bestehen könnte. Zu sehr waren sie offensichtlich damit beschäftigt, ihr Ego zu pflegen und den öffenlichkeitswirksamen Auftritt der letzten Woche vorzubereiten, als sich mit der aus Kleinarbeit bestehenden Situationsaufarbeitung im Holländischen Viertel zu befassen und daraus Schlußfolgerungen für zu bewältigende Aufgaben abzuleiten. Das einzige, was sie uns anbieten können lautet: Anwohnerparken raus aus dem Holländischen Viertel.
Und bezüglich des Anwohnerparkens gleiten die Ankündigungen der IG Holländisches Viertel ins Lächerliche ab. Es ist noch nicht sehr lange her, dass die Gewerbetreibenden der Innenstadt und auch die des Holländischen Viertels von der Stadtverwaltung gefordert hatten, möglichst freizügig mit dem ruhenden Verkehr umzugehen, sowohl mit den Autos der Kunden als auch mt denen der Anwohner. Alle Hinweise auf die vom ruhenden Verkehr ausgehenden Belästigungen und auf die Alternative “Parkhaus” waren immer wieder mit dem Hinweis abgeschmettert worden, dass der Kunde möglichst nah an den Geschäften mit seinem Auto zum Stehen kommen wolle und es ihm nicht zugemutet werden könne, die Einkäufe vom Geschäft zum Parkhaus zu tragen. Gewerbetreibende, die der Meinung der Stadtverwaltung bezüglich einer Verkehrsberuhigung gefolgt waren, hatten keinen leichten Stand.
Die Führung der neu gegründeten Interessengemeinschaft wäre nicht nur hinsichtlich der Verkehrsfragen gut beraten gewesen, sich mehr mit der Geschichte der jüngsten Zeit im Holländischen Viertel zu befassen, sondern auch in Bezug auf die von den Gewerbetreibenden selbst entwickelten Vereinsaktivitäten. Denn bereits Ende 1994 war im Holländischen Viertel eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen worden, die “Interessengemeinschaft der Gewerbtreibenden im Holländischen Viertel” (IG Holländisches Viertel).
Pressebeiträge über die Gründung der IG Holländisches Viertel:
- Märkische Allgemeine Zeitung vom 26. April 2008
- Potsdamer Neueste Nachrichten vom 26. April 2008
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Das Neueste vom Immobilienmarkt?
15.4.2008 by Dr. Volker Punzel.
Was war die Nachricht, die Volkmar Klein den Lesern der MAZ am 15. April 2008 auf S. 13 übermitteln wollte? “Die geringe Wohnungsbautätigkeit in Potsdam wird sich in beschleunigt steigenden Mieten und Kaufpreisen niederschlagen. Zwischen jährlich 2,2 und 2,5 Prozent Anstieg prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut Feri Rating & Research für alle Segmente des Wohnungsmarktes. … Bei neuen Wohnungen werde sich die durchschnittliche Nettokaltmiete bis 2009 auf 7,10 Euro je Quadratmeter erhöhen. Bei Altbauten werde sie auf 5,70 Euro steigen.” Nun gut, wieder hat ein Unternehmen festgestellt, dass die Mieten in Potsdam steigen werden. Das hat aber Wolfgang Jöntgen, Immobilienexperte im Vorstand der Mittelbrandenburgischen Sparkasse bereits in “FOCUS” 12/2008, S. 70, festgestellt. Angesichts der über dem aktuellen Angebot an Wohnraum hinaus gehenden Nachfrage erwartet er “überwiegend steigende Mieten und Kaufpreise”. Die aktuellen Preise für eine Eigentumswohnung in Potsdam gibt FOCUS im gleichen Heft mit 1.030 EURO (einfache Lage), 1.340 EURO (mittlere), 2.020 EURO (gehobene) und 3.160 EURO (sehr gehobene Lage) je Quadratmeter an. Die Immobilienspezialisten von Feri Rating bezifffern sie für 2008 mit 1.746 Euro und für 2016 mit 2.100 Euro je Quadratmeter. Für welche Lage diese Preise gelten, ist aus dem MAZ-Beitrag jedoch nicht zu erfahren.
Das ist auch logisch, denn Volkmar Klein hatte offensichtlich nur die Pressemitteilung von Feri Rating & Research zur Verfügung. Und die sollte nicht zuviel verraten, sondern lediglich das Interesse an Mehr wecken. Dieses Mehr-Wissen ist auch zu haben, aber nicht preiswert. Wer das Immobilienmarkt-Dossier über Potsdam (Stand: 31.3.2008) sein Eigen nennen will, muss 1.500 Euro hinblättern. Also dann los, und das Dossier erworben. Denn das war die Nachricht, die Feri Rating eigentlich übermittelt sehen wollte.
Vielleicht muss man soviel Geld aber nicht hinblättern, um sich zu informieren. Vielleicht ist es besser, sich vor Ort zu informieren. Denn die einheimischen Immobilienspezialisten leben vielfach in diesem Markt und tagtäglich mit ihm. Und die sollten doch wohl besser in der Lage sein, konkretere Auskunft zu geben, als ein in Bad Homburg, Paris, London und New York ansässiges Unternehmen.
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“Linke Barbarei” bei Stadtschlossabbruch
11.4.2008 by Dr. Volker Punzel.
In der Debatte zum Antrag des Landtagspräsidenten Gunter Fritsch, der für das auf dem Alten Markt in Potsdam in den Um- und Aufrissen des früheren Stadtschlosses zu errichtende Gebäude des Brandenburger Landtages die Wiederherstellung der historischen Fassade vorsieht, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch am 10. April 2008 im Landtag: Mit dem Neubau nach historischem Vorbild könne klargemacht werden, dass “der Abriss des wiederaufbaufähigen Schlosses durch linke Barbarei nicht das letzte Wort der Geschichte ist”. Der Vizechef der CDU-Landtagsfraktion, CDU-Kreisvorsitzende in Potsdam und Stadtverordnete der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung ist dafür bekannt, dass er oft verbal um sich schlägt, ohne vorher darüber nachzudenken. Hauptsache die Wirkung ist erreicht. Und hinterfragt werden seine Sprüche sowieso kaum, auch nicht durch die Journalisten, wie das Beispiel des von Volkmar Krause in der MAZ vom 11. April 2008 auf S. 1 verfassten Beitrags zeigt.
Unbestritten ist, dass die Ruinen des bei der Bombardierung Potsdams am 14. April 1945 zerstörten Potsdamer Stadtschlosses im Jahr 1959 gesprengt und vollständig abgetragen wurden. Unbestritten ist auch, dass zu dieser Zeit eine von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) dominierte Stadtverordnetenversammlung und ein SED-Oberbürgermeister in Potdam für die Stadtpolitik verantwortlich zeichneten. Unbestritten ist auch, dass die Beseitigung der Überreste des “Horts des reaktionären Preußentums” einer der sehnlichsten Wünsche der von der SED dominierten Regierung der DDR war.
Die Überreste historisch bedeutsamer Gebäude wurden zu dieser Zeit, und sogar später, aber auch in anderen Teilen Deutschlands beseitigt oder waren für einen Abbruch vorgesehen. Und in diesen Fällen lag die Verantwortung bei Politikern, denen Herr Niekisch wohl kaum unterstellen möchte, dass es sich dabei um “Barbaren” gehandelt hat.
Beispiel 1: Braunschweig
Das Schloss in Braunschweig, auch Braunschweiger Residenzschloss genannt, war die Residenz der braunschweigischen Herzöge. 1718 errichtet, fiel es 1830 einem Brand zum Opfer. Das 1841 neu erbaute Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer beschädigt. 1960 beschloss der Stadtrat von Braunschweig, die erhalten gebliebenen Überreste des Schlosses abzureissen. Die Entscheidung des von der SPD mit absoluter Mehrheit beherrschten Stadtrates erfolgte gegen den Widerstand von großen Teilen der Bevölkerung Braunschweigs. (siehe dazu auch: MAZ, Beilage, Ostern 2007, S. 1: Kallensee, Frank: Geschichte und Geschäfte. Potsdam will sein Schloss wiederhaben. Braunschweig hat es schon. Der Preis dafür war hoch. )
Beispiel 2: Berlin
Der Senat von Berlin-West hatte sich ebenfalls mit einem Schloss und mit dessen Schicksal zu befassen, mit dem Schloss Charlottenburg. Zwischen 1695 und 1712 erbaut bzw. ausgebaut, war es 1943 bei Bombenangriffen stark verwüstet worden. Die West-Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten sprach sich für die Wiederherstellung des Bauwerkes und seiner Außenanlagen aus. Der Senat und das Abgeordnetenhaus hatten jedoch - u.a. aus Kostengründen - den Abbruch der Ruinen ins Auge gefasst. Diesem Schicksal entging das Schloss Charlottenburg vor allem deshalb, weil Ende 1950 in Ost-Berlin die Überreste des dortigen Stadtschlosses beseitigt wurden. In einer Reihe mit den Kommunisten genannt zu werden, wenn es um den Umgang mit historischen Baudenkmälern ging, das wollten die West-Berliner Stadtoberen nun doch nicht. Aus diesem Grund vollzogen sie eine Kehrtwende. Das Schloss Charlottenburg wurde wieder aufgebaut.
Sicherlich gibt es auch in anderen Städten, Orten und Gegenden Deutschlands Beispiele für einen in der jüngsten Vergangenheit nicht immer freundlichen Umgang mit historischen Baudenkmälern. Doch auch heute sind viele auf uns aus der Vergangenheit überlieferte Bauwerke bedroht. Oftmals stehen sie finanziellen und wirtschaftlichen Ambitionen im Weg oder werden - aus Geldgründen - als nicht mehr erhaltbar angesehen. Handelt es sich dabei dann auch um Kulturbarbarei? Wenn ja, dann verteilen sich die “Barbaren” über das ganze politische Spektrum.
Geschrieben in Pressekritik, Geschichte, Politik | 1 Kommentar »